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Schüler-Demo gegen Schulpolitik

Bis zu 800 Jungen und Mädchen forderten gestern eine andere Schulpolitik ein

Schüler der vier Saarlouiser Gymnasien und des Albert-Schweitzer-Gymnasiums Dillingen haben gestern in Saarlouis für eine andere Schulpoltik demonstriert: gegen G 8 und gegen Studiengebühren.

Von Johannes Werres, Benedikt Krischer und Harald Knitter (SZ)

Saarlouis. Für die allermeisten Schüler aus vier Gymnasien in Saarlouis und Dillingen war es die erste Demo. Bis zu 800 zogen ab 11.30 Uhr laut Polizei in Saarlouis vom Kleinen zum Großen Markt, um gegen die Schulpolitik der CDU-Landsregierung zu protestieren. "Bildungsstreik 09, Bildung statt Banken", "Gute Nacht G 8", "Bildung darf kein Luxus sein" stand auf Plakaten zu lesen. "Das betrifft uns, nicht die, die entscheiden", rief Johannes Hiery vom Max-Planck-Gymnasium vom Rand des Brunnens auf dem Markt ins Mikro. Das hatte die IG Metall organisiert. Leonard Loew, Schülersprecher am Stadtgarten-Gymnasium: "Kopfnoten führen zu Anpassung und dazu, den Lernstoff nicht zu hinterfragen. Wir lernen für Arbeit und Noten, aber wir wollen für uns selbst lernen." Johlende Zustimmung.

Warum gingen die Schüler mit? Felix zum auf acht Jahre verkürzten Gymnasium: "G 8? Das kann eine Chance sein." Warum demonstriert er dann? "Ich bin gegen zu große Klassen und für Hitzefrei." Kilian: "Wir wollen wieder G 9, ich will eine längere Kindheit!"

Die erste Demo war es für Yannick, 14: "Ganz interessant, ich war überrascht; ich hätte nicht mit so vielen gerechnet. Es macht viel Spaß mit so vielen Leuten und ich denke, dass wir auch was bewirken." Daniel, 15: "So können wir Aufmerksamkeit erregen." Sina, 16: "Das war aufregend, größtes Problem war, Leute zu animieren, mitzugehen, da viele Konsequenzen fürchteten."

Unentschuldigtes Fehlen

Mit einer Durchsage hatte die Leitung des Robert-Schuman-Gymnasiums gestern Morgen die Schüler informiert: Wer eine Entschuldigung der Eltern habe, dürfe zur Demonstration gehen. Nach Beobachtung von Gabriele Sohne, der Schulsekretärin, waren gegen elf Uhr "einige Klassensäle bis auf drei, vier Leute und andere ganz leer". Was passiert mit denen, die ohne Entschuldigung gegangen sind? "Die bekommen zwei unentschuldigte Stunden eingetragen." Auch an den anderen Schulen, etwa am SGS. Direktorin Sabine Blatt ergänzt: "Schüler ab Klasse neun können auf eigene Gefahr das Schulgelände verlassen. Versichert sind sie dann aber nicht."

Ungewiss ist es in Dillingen. "Wir haben noch nicht entschieden", sagt Erwin Schorr, Leiter des Albert-Schweitzer-Gymnasiums, "wir haben mit 230 Abiturienten anderes zu tun." Wer wieviel gefehlt habe, sei im Klassenbuch vermerkt, aber noch nicht gezählt. "Sie haben unentschuldigt gefehlt und sich unerlaubt vom Schulgelände entfernt. Geht jemand in der Mittagspause unerlaubt zum Bäcker, bekommt er einen schriftlichen Verweis", sagt Schorr. "Sollen wir einen Unterschied machen? Ich weiß nicht, ob alle, die gefehlt haben, zur Demo gegangen sind. Wir haben ein Verständnisproblem: Sie produzieren mit Wegbleiben das, wogegen sie protestieren: eine Bildungsmisere."

Meinung

Lernziel

erreicht

Von SZ-Redakteur

Mathias Winters

An die 800 junge Leute gehen auf die Straße. Friedlich, aber bewusst auffällig, seh- und hörbar. Sie tun es, weil sie ein Anliegen haben. Berechtigt oder unberechtigt in allen Punkten ihrer Anregungen und Forderungen: Das steht für mich hier nicht an erster Stelle.

Demonstration hat mit Demokratie mehr als die ersten vier Buchstaben gemeinsam. Da praktizieren junge Leute aufrechten Gang. Deswegen gilt für Schüler, die mitgegangen sind, "Lernziel erreicht". Das sollte Schulleiter und Eltern freuen. Kleinkarierte disziplinarische Maßnahmen dagegen verbieten sich.

 

Beitrag vom: 18.06.2009

Leser-Kommentare

Léonard Loew (19), Saarlouis, 1 Kommentar

Zu dem Artikel "Schüler-Demo gegen Schulpolitik" vom 18.6.2009 Es war mal wieder geradezu typisch für unser... (18.06.2009 21:35) mehr lesen ›

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