Biosphäre könnte Paradies für Füchse werden
Jäger kritisieren dagegen die Pläne des Umweltministeriums
Pläne des Umweltministeriums, in der Biosphäre im Rahmen eines Modellprojekts die Bejagung des Fuchses ganz auszusetzen, bringen die heimischen Jäger auf die Palme. Sie weisen auf Gesundheitsgefahren für Menschen hin.
Von SZ-Redakteur Michael Beer
St. Ingbert/Bliesgau. Die neue Landesregierung ist begeistert vom Biosphärenreservat. Von einer "Modellregion von Weltrang" spricht der Koalitionsvertrag, die das Jamaikabündnis voranbringen möchte. In diesem Zusammenhang schwebt dem Land ein Modellprojekt in der Biosphäre vor, das die hiesigen Jäger auf die Palme bringt. Im Koalitionsvertrag heißt es: "Der Fuchs erhält eine halbjährige Schonzeit, und in der Biosphärenregion Bliesgau wird ein Modellprojekt ,Bejagungsverbot Fuchs' umgesetzt und wissenschaftlich begleitet." Eine Katastrophe nach Meinung der saarländischen Jägervereinigung (VJS). Sie bezweifelt nicht nur den ökologischen Nutzen, sondern sieht auch die Gesundheit des Menschen bedroht. Im Umweltministerium hingegen wird die Aufregung nicht geteilt. Das Thema werde zunächst mit den involvierten Verbänden diskutiert, betont dessen Sprecher Holger Zeck.
Der Blieskasteler Stefan Schwarz, Jäger und Mitglied der VJS, erläutert, im Einzugsbereich der Barockstadt seien die Rotfüchse mittlerweile überaus präsent: "Sie sind allgegenwärtig. Das können wir über unsere Streckenlisten belegen. Wir haben nie so viele geschossen wie derzeit." Neben ihrer wichtigen Funktion im Naturhaushalt hätten diese Tiere längst Städte und Dörfer als gute Nahrungsquellen erschlossen.
Der Haken an der Sache: Kontrolluntersuchungen zeigten, so der Jäger, dass jeder dritte bis vierte Fuchs Träger des für den Menschen gefährlichen Fuchsbandwurms sei. Die winzigen kleinen Eier, führt Schwarz aus, werden mit dem Kot in die Landschaft und in die Gärten gesetzt. Haustiere wie Hunde und Katzen übertragen sie unter Umständen auf den Menschen. Schwarz: "Für Hund und Katze sind die Bandwurmfinnen nicht schädlich. Aber beim Menschen kann ein Befall durchaus lebenslange Behandlung zur Folge haben oder gar tödlich enden."
Der Fuchs ist auch in St. Ingberter Wohngebieten präsent, wie Günther Klahm bestätigt. Der Lehrer und Jäger hatte sich unter anderem für sein Staatsexamen mit den Tieren beschäftigt. Er berichtet, in den vergangenen Wochen habe er im eigenen Garten auf dem Hobels jeden Morgen einen der roten Gesellen beobachten können. Klahm: "Der Fuchs ist ein sehr lernfähiges Tier. Er merkt, im Wohngebiet passiert ihm nichts." Je mehr Füchse sich in unserer Region tummelten, um so gefährlicher könne der Fuchsbandwurm für den Menschen werden. Ministeriumssprecher Zeck hingegen erläutert, sein Haus teile die Bedenken der Jägerschaft nicht.
Das Problem Fuchsbandwurm müsse man losgelöst vom angestrebten Jagdverbot betrachten. In Bayern etwa gebe es Projekte, bei der Füchse entwurmt würden. Auch so lasse sich dem Problem vielleicht beikommen.
Hintergrund
Die halbjährige Schonzeit für den Fuchs hat die Landesregierung bereits umgesetzt. Wie das Umweltministerium am Donnerstag mitteilte, dürfen in Zukunft zwischen dem 16. Februar und dem 15. August keine Füchse mehr geschossen werden. Ministerin Simone Peter spricht von einem "wichtigen Schritt für mehr Tierschutz". Bedenken der Jäger, eine wachsende Fuchs-Population wirke sich negativ auf Bodenbrüter oder Niederwild wie Hase, Fasan und Rebhuhn aus, hält das Ministerium für unzutreffend. Der Fuchs sei spezialisiert auf Nager wie Mäuse und Ratten und fresse kranke und verendete Tiere, womit er im Naturhaushalt einen wichtigen Beitrag leiste. mbe
Beitrag vom: 29.03.2010





Leser-Kommentare
Lovis KAUERTZ (53), Gau-Algesheim, 1 Kommentar
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